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Unterwegs in Rom

  oder

Wie findet man sich in einer Portion Spaghetti zurecht?

 

Minka Kuzmanovic arbeitet in Rom und berichtet uns diesmal über das
Abenteuer des römischen Stadtverkehrs...

 

"Die Hölle ist ein Ort, an dem die Engländer kochen, die Italiener den Verkehr dirigieren und die Deutschen Fernsehunterhaltungssendungen machen" .

Nun, es geht nicht um die Kuriositäten englischer Küche oder die Geschmacklosigkeiten der Fernsehshows; es ist der Verkehr in der italienischen Hauptstadt (Hölle klingt etwas
übertrieben :-) dem dieser Artikel gewidmet ist.

Es gibt in Rom Verkehrsmittel aller Art, verwaltet von der Gesellschaft Atac: die Tram, die langen Schlauchbusse , die Metro, kleine niedliche Busse, die sich durch die engen Gassen rund um die Via del Corso schieben.
Hinzu kommen Pkws, LKWs, Motorräder und Motorinis; vereinzelte mutige Radfahrer, meist mit Atemschutz versehen; Reisegruppen streng nach Ländern getrennt, die artig ihrem Reiseführer hinterher trotten. Auch Minilieferwagen beladen mit Zitronenbäumchen und Grünpflanzen; und schließlich Reisebusse, die sich durch die Gassen des "Centro storico"  bugsieren.

Die Menge all dieser Verkehrsteilnehmer mündet in einem nicht enden wollenden täglichen Verkehrschaos, einem ernormen Lärmpegel, nervtötenden Hupkonzerten und Staus .

Die günstigen Preise für die Öffentlichen von einem Euro für den Einzelfahrschein bis 30 für die Monatsfahrkarte trösten manchmal wenig über die buddhistische Geduld, die man braucht, wenn man täglich auf die "Mezzi Pubblici" angewiesen ist. Will man sein Ziel pünktlich erreichen, ist es günstiger ein Handy mit sich zu führen - wie es auch die  Italiener tun - um gravierende Verspätungen anzukündigen, obwohl diese kein Kardinalfehler sind.

Werktags geht es irgendwie, aber das lange Warten kann einem den Tageslauf und den schönsten Sonn - und Sonnentag vermiesen und manchmal wird man den Verdacht nicht los, als hätten sich die Busfahrer zum Espresso verabredet, wenn drei Busse mit der gleichen Nummer im Konvoi vorfahren, bei allem Verständnis für die Busfahrer, die ihren Weg durch das Strassengewirr finden müssen, das dem Gewirr einer Portion Spaghetti gleicht. Sonntags ist das Gedränge besonders groß, da weniger Verkehrsmittel eingesetzt werden, die Berufstätigen zwar ausschlafen, dafür viele Ausflügler unterwegs sind.

Es  empfiehlt sich bei längeren Strecken sich in kleinen Schritten fortzubewegen - d.h. sich mit häufigem Umsteigen in Zielrichtung zu manövrieren. Fahrpläne gibt es nicht, aber ab diesem Jahr sollen elektronische Anzeigetafeln die Wartezeit an zentralen Haltestellen ankündigen, bei einigen Tramlinien gibt es diese schon. Auch lobt sich die Verkehrsgesellschaft Atac die umweltfreundlichste Europas zu sein, da ab Sommer diesen Jahres Elektrobusse eingeführt werden und viele Busse mit Gas angetrieben werden.

Weitere Maßnahmen sind auch dringend notwendig, da an manchen Tagen lobenswerterweise für rund 30 % der Autofahrer mit geraden bzw. ungeraden  Autokennzeichen das Fahren in der Innenstadt gesperrt ist . Die Smogzahlen sind hoch und der Verkehrsstress anstrengend. Vor allem das oftmals unnütze Gehupe -  kanonartig setzt ein dröhnendes Konzert ein, sobald nur einer den Takt angibt. Auch wenn die Fahrer sehen, dass es sich um einen offensichtlichen Grund, zum Beispiel einen Unfall, handelt.

Mit dem Regionalzug kann man dem verstopften Stadtzentrum etwas ausweichen, falls man sich in der Nähe einer der Bahnstationen aufhält, die mit T anfangen oder zumindest eines enthalten - Termini, Tusculana, Tiburtina, Trastevere, St. Pietros, Ostiense.

Die Bahn verdient zwar auch keinen Nobelpreis für Pünktlichkeit, ist aber immerhin rechtzeitig da, wenn man selbst auf Verspätung baut - sie weicht dem chaotischen Innenstadtverkehr aus. Trotz der morgendlichen Überfüllung durch die Berufspendler ist es dennoch angenehmer, als sich im Stadtbus -  schlimmer noch: Metrolinie A -  zwischen Hunderten anderen bis zur Eingangstreppe klemmenden Fahrgästen im Waggon zu quetschen oder durch das von hupenden Kleinwagen, Motorinis, Reisebussen, Lastwagen verstopfte Zentrum im Bus zu schaukeln.

Nicht nur dem Fahrpersonal,  auch Dieben, musizierenden Zigeunern und Bettlern bieten Bus, Bahn und Tram ein sicheres Brot. Im Gedränge des Nahverkehrs insbesondere der Buslinie 64 vom Hauptbahnhof Termini nach St.Pietros, in dem man sich manchmal des Stimmengemurmels wegen wie im Ruhrpott fühlt, sollte man seine Handtasche nicht aus den Augen lassen .

Doch häufig sind die Touristen durch kluge Reiseführer aufmerksamer. Nachdem ich mich nach einiger Zeit des Aufenthaltes in Rom diebstahlsicher fühlte und nach einer ermüdenden Hotelschicht mit der Linie 64 nach Hause fuhr, erregte sich eine junge Deutsche im Bus. Ich dachte,  sie wollte zur Ausgangstuer durch und machte Platz. "Nein, nein " rief sie und zeigte auf einen jungen Burschen. "Der fummelt schon die ganze Zeit an deiner Tasche rum ". Ich sah mich um und meine Hängetasche war mir tatsächlich fast hinter meinen Rücken gerutscht, wo sie für einen Dieb mit scharfem Blick wie die Klinge eines Taschenmessers ein Schnäppchen ist.

Auch ohne Taschendiebe bedarf es Aufmerksamkeit. Manchmal bekommen die Fahrer die Türen weder auf noch zu; man fragt sich, ob die Busfahrer den Führerschein in den beliebten Bingohallen gewonnen haben, wenn sie so scharf anfahren oder abbremsen, das so mancher Fahrgast durch die Gänge geschleudert wird. Man weiß nicht,  wo man sich festhalten soll, wenn schon hunderte Hände aller Nationalitäten an den Haltevorrichtungen klammern -  oder es klebt ein Kaugummi dran,  wie mir ein empörter Japaner erzählte.

"Permesso" rufen die Italiener mit bestimmter Stimme und drängeln sich zum Ausgang durch.
In der Tat, ums Aussteigen bemüht man sich besser eine Station vorher.
Ob Studenten, Senioren mit Krückstock, Mütter mit Kinderwagen oder müde Büroangestellte -  ebenso ungeduldig wie die trompetenden Autofahrer, drängeln und schubsen sich neue Fahrgäste an den Aussteigenden vorbei und stürmen auf die freien Plätze. Verzweifelt ruft manch einer: "Man lässt doch erst aussteigen, oder?" und wird schon überrannt.

Dagegen zeigen die Italiener eine besondere Geduld, wenn es sich ums Warten an der Post oder, schlimmer noch, am Bankschalter handelt.
Auch die Streiks des Fahrpersonals, fast wie ein Schicksalsschlag von den italienischen Medien angekündigt, oftmals dramatisiert durch die Ankündigung von schlechtem Wetter, das sich auch im sonnenverwöhnten  Rom ab und an breit macht, werden von der Bevölkerung erstaunlich gelassen hingenommen, wie auch der Blackout, der Stromausfall, der Ende September sämtliche Espressomaschinen von den italienischen Alpen bis Sizilien lahm legte.

Minka Kuzmanovic

 

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