Julia Stander hat im Rahmen des Erasmus-Programms der EU ein Semester in Straßburg studiert. Ihren Bericht lesen Sie hier...
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Strasbourg vu de la Cathédrale |
Wo will ich hin?
Bei der Auswahl des Gastlandes kamen für mich zunächst nur englischsprachige Länder bzw. Unis in Frage, weil ich einfach Angst davor hatte, sonst auf unüberwindbare Sprachbarrieren zu stoßen. Schließlich entschied ich mich nach langem Überlegen doch noch für Frankreich – erstens weil ich mir höhere Chancen auf einen Studienplatz ausrechnete und außerdem erschien es mir sinnvoller, mich doch mit einer anderen Sprache auseinander zusetzen, die ich (noch) nicht fließend sprechen kann. Das hat sich auch als sehr lohnenswert erwiesen, denn mit gewissen Grundkenntnissen und ein wenig Anstrengung wird man –trotz aller Zweifel - dem Unterricht nach wenigen Wochen folgen können.
Strasbourg ist eine wunderschöne Stadt mit vielen Facetten und zahlreichen Studenten. Es gibt dort 3 Universitäten, somit ist das Bildungsangebot riesig. Wider die Annahme, dass in Strasbourg viele Deutsche leben, sprechen die Menschen überwiegend französisch. Im Zentrum und allen touristischen Einrichtungen trifft man zwar häufig Leute, die auch Deutsch können (was am Anfang manchmal ganz tröstlich und hilfreich sein kann), doch ansonsten wird gerade unter Jugendlichen und Studenten nur Französisch gesprochen. Englisch hört man so gut wie überhaupt nicht und es wird oft auch nicht verstanden.
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Der Bewerbungsprozess
Nachdem ich von der FSU meine Zusage für einen Studienplatz am IUT (Institut universitaire de la technologie) für das SS 2004 bekommen hatte, wurden mir auch bereits im April die Einschreibeunterlagen sowie der Antrag auf einen Wohnheimplatz zugesandt. Ich schickte die Unterlagen umgehend zurück, daraufhin hörte ich lange nichts von meiner Gastuni. Schließlich hatte ich ja auch noch über ein halbes Jahr Zeit bis es losgehen sollte.
Auslandsbafög habe ich nicht beantragt, da ich auch für mein Studium hier in Deutschland auch kein Bafög bekomme. Dennoch kann man wohl auch in diesem Falle Auslandsbafög beantragen, doch die Chance, Geld zu bekommen ist eher gering und jeder muss für sich selbst entscheiden, ob sich der aufwendige hochbürokratische Beantragungsprozess lohnt.
Jeder ERASMUS Student bekommt aber auf alle Fälle ERASMUS Beihilfe, dafür muss man nur ein kurzes Formular ausfüllen (beim AAA abholen und auch rechtzeitig wieder einreichen) es handelt sich immerhin um einen Betrag von monatlich 50-100,- €, je nachdem wie viele Studenten sich in den „Topf“ reinteilen.
Ende des Jahres (September/ Oktober) fing ich an, Kontakt mit der Ansprechpartnerin (Relations Internationales) meiner Gastuni aufzunehmen. Außerdem bekommt man von der FSU (Friedrich-Schiller-Universität, meine deutsche Uni) immer eine Kopie von der Anmeldung aller ERASMUS Studenten eines Studienjahres an der jeweiligen Gastuni. Das ist sehr praktisch, denn so weiß man gleich, wer noch das gleiche Ziel haben wird, wie man selbst und kann sich ja schon mal im Vorfeld austauschen.
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Wohnen
Die Frage, ob man während eines Auslandssemesters im Wohnheim wohnen sollte bzw. kann, wird ziemlich kontrovers diskutiert. Zugegeben sind die Bedingungen in den meisten französischen Wohnheimen schon etwas „gewöhnungsbedürftig“, d.h. meist sind die Toiletten/Duschen auf dem Flur und die Gemeinschaftsküche besteht nur aus zwei elektrischen Kochplatten.
Dennoch habe ich ganze sechs Monate im Wohnheim gewohnt, fand es toll und würde es auch immer wieder so machen. Erstens ist es sehr kostengünstig (oft schon unter 150,- €), organisatorisch sehr einfach (die Uni bzw. der CROUS regeln ja alles, man muss lediglich einen Antrag auf einen Wohnheimplatz einsenden) und nicht zuletzt ist es unheimlich sozial! Da ziemlich viele ERASMUS Studenten im Wohnheim wohnen, lernt man superschnell viele Leute (auch Franzosen) kennen und das studentische Leben nach der Uni spielt sich nicht selten im Wohnheim ab.
Außerdem gibt es in fast allen Wohnheimen Waschmaschinen, Gemeinschafts- und Fernsehräume (in manchen sogar richtig gut ausgestattete Bibliotheken & Arbeitsräume) und außerdem eine Loge, wo zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Ansprechpartner sitzt – man kann sich also relativ sicher fühlen.
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Meine 9-qm-Zelle & Mama zu Besuch |
Ob Wohnheim oder nicht, ratsam ist es auf jeden Fall so früh wie möglich nach der Ankunft, Mietbeihilfe (aide au logement) zu beantragen, denn in Frankreich hat jeder Student, auch Ausländer, Anspruch auf Wohngeld. Man muss dafür jedoch erst ein Konto bei einer französischen Bank eröffnen. Ich hatte ein Konto bei der Credit Lyonnais, war damit aber nicht zufrieden, da die Eröffnung zwar kostenlos war, ich für die Schließung jedoch auf einmal 25,- € berappen sollte. Freunde von mir waren mit Credit Agricole ganz zufrieden – auf jeden Fall sollte man sich im Vorfeld immer ganz genau über die jeweiligen Konditionen erkundigen. Bei der Kontoeröffnung am besten gleich nach einem RIB (relève d’identité bancaire) fragen, denn das ist der Nachweis, den man zusätzlich zum Wohngeldantrag abgeben muss.
Ist das erledigt, bekommt man bei der CAF (caisse d’allocations familiales) ein Formular, welches zum Ausfüllen auf den ersten Blick nicht ganz so einfach erscheint. Hilfe gibt es im Zweifelsfall jedoch bei der AGORA auf dem Esplanade-Campus, dort hilft den ausländischen Studenten das ganze Jahr über jemand beim Ausfüllen von Formularen. Das Wohngeld ist abhängig von Ressourcen, Einkommen und Höhe der Miete – ich habe z.B. 20,- € bekommen – ist aber immer noch besser als gar nichts, oder?
Studium
Rückblickend möchte ich behaupten, dass es wohl generell besser ist, ein ganzes Studienjahr - also Winter- und Sommersemester - im Ausland zu verbringen, als nur ein Semester. Erstens ist das französische Studiensystem so ausgerichtet, das es eigentlich gar keine Semester gibt, sondern Studienjahre (année universitaire), d.h. ein Jahr von September/Oktober bis Juni, stellt eigentlich mehr oder weniger eine Einheit dar. Man wird sich auf jeden Fall besser in seine Kurse integrieren können, sowohl fachlich als auch in die studentischen Gruppen. Außerdem ist das Kursangebot von dem man auswählen kann, natürlich größer, denn in viele Kurse kann man später nicht mehr einfach so einsteigen.
Das IUT ist eine kleine Fakultät, die eigentlich zur Universität Robert Schumann gehört, sich aber außerhalb Strasbourgs, in Illkirch, befindet. Dorthin kommt man in einer halben Stunde mit Bus und Tram. Der Illkirch Campus ist eher klein und familiär und die verschiedenen Departements erinnern eher an eine Fachhochschule. Ich habe am meine Kurse am TC (departement des techniques de la commercialisation) gemacht. Es gab dort kaum so was wie Vorlesungen im Uni-Sinne, sondern der Unterricht fand meistens in Klassen von 15 – 25 Personen statt. Dies habe ich als sehr angenehm empfunden, denn man nimmt so nicht nur mehr vom Unterricht mit, sondern auch der Kontakt zu Kommilitonen und Profs ist viel intensiver.
Obwohl ich als nicht gerade einfach erlebt habe, engen Kontakt zu den französischen Studenten aufzubauen, weiß ich von Freunden, die an den größeren Unis studiert haben, dass diese dort überhaupt keinen Kontakt hatten, sondern die ERASMUS Studenten eher unter sich waren.
Folglich hatte ich auch überhaupt nicht den Eindruck vom „typischen Stundenablauf“ in Frankreich, wovon man so oft hört – sprich: der Prof liest zwei Stunden lang vor und die Studenten schreiben alles haargenau mit, Diskussion oder Fragen gibt es nicht. Das war bei uns ganz und gar nicht so. Es gab aufgrund der kleinen Gruppen häufig eine aktive Interaktion zwischen Prof und Studenten bzw. zwischen Studenten untereinander. Obwohl das allgemeine Niveau des Lehrstoffes nicht annähernd dem an einer deutschen Universität entspricht, habe ich diese Art des Unterrichts doch als recht angenehm empfunden.
Wichtig ist noch, dass ich –da ich mein ERASMUS Studium zum SS begonnen habe, bereits am 5. Januar in Strasbourg beginnen musste. D.h. ich musste quasi gleich nach Silvester anreisen, was in diesem Jahr auf ein Wochenende fiel und hatte dadurch Probleme meinen Wohnheimplatz in Anspruch zu nehmen, da am Wochenende natürlich kein Ansprechpartner erreichbar ist. Man sollte also unbedingt vorher beim CROUS (entspricht dem dt. Studentenwerk und koordiniert u.a. alle Studentenwohnheime einer Stadt) anrufen, alles abklären und sich einen Schlüssel zurücklegen lassen, damit man nicht – wie ich – erstmal ein ganzes Wochenende obdachlos ist.
Wenn man ansonsten noch Fragen im Vorfeld zum Studium am IUT hat, dann wendet man sich am besten an den Service des Relations Internationales: Mme. Fabienne Kleffer oder M. Etienne Zeller. Für die Studienfachkoordination ist am IUT normalerweise Mme. Anne Policet (Anne.Policet 'at' urs-u-strasbg.fr) zuständig.
Übrigens: Der „pôle universitaire européen de Strasbourg“ gibt zusammen mit dem CROUS jedes Jahr den so genannten „Ulysse“ einen Studentenführer mit allen wichtigen Infos für Studenten (Bibliotheken, Stadt- und Campuspläne, Uni-Restaurants, Formalitäten, wichtige Adressen und Telefonnummern etc.) raus – den sollte man sich vor Ort so schnell wie möglich besorgen oder am besten vorher schon mal bei der Gastuni nachfragen, die schicken ihn bestimmt auch gern zu. Das ist die beste Möglichkeit, sich im Vorfeld auf seinen Aufenthalt in Strasbourg einzustimmen (und schon mal wichtige bürokratische Wörter zu lernen ;-).
Sprachkurse
...gibt es am IUT leider nicht, doch an der Uni Marc Bloch gibt es vielfältige Angebote, das Französisch (oder auch andere Sprachen) voranzutreiben.
Besonders zu empfehlen sind die Kurse vom DAFET (Dispositif d’aide en français aux étudiants étrangers), die haben die ganze Woche über (jeweils 8-20 Uhr) ein riesengroßes und kreatives Angebot an Sprachkursen aller Niveaustufen für ausländische Studenten; welches u.a. auch so abgefahrene Sachen wie Chanson française, regelmäßige Filmvorführungen und Improvisationstheater beinhaltet.
Der Nachteil ist, dass diese Kurse eigentlich nur für Studenten der Uni Marc Bloch gedacht sind, es kann sein, dass dies bereits im nächsten Jahr geändert wird. Wenn nicht, bloß nicht entmutigen lassen und einfach in die Kurse reinsetzen, die Lehrer interessiert es wenig von welcher Uni die Studenten kommen. Man kann dann zwar keinen Einstufungstest machen und keine ECTS Points bekommen, aber immerhin gute Sprachkurse besuchen.
Besonders empfehlenswert ist übrigens das café multikulturel, welches einmal wöchentlich im Rahmen des DAFET stattfindet – wo sich die internationalen Studenten einfach so treffen um zu quatschen, über ihr Heimatland zu erzählen, Plätzchen zu essen oder auch mal Wein zu trinken. Das ist der beste Weg um andere junge Leute aus allen möglichen Ländern kennen zu lernen!
Ansonsten gibt es auf dem Esplanade Campus noch das SPIRAL Sprachzentrum, wo zwar nicht unterrichtet wird; dafür stehen jedoch in Hülle und Fülle interaktive Sprachlernmittel (CDs, Software, Computer, Headsets, Bücher etc.) zur freien Benutzung zur Verfügung.
Freizeit/ Ausgehen/Sport
Ein absolutes Muss ist natürlich das Bestaunen der ca. 30m hohen Kathedrale Notre Dame, auf die man auch hochsteigen und von dort aus einen wunderschönen Blick über die Stadt genießen kann.
Auch ein Spaziergang durch Strasbourgs ältestes Viertel, das Petite France, gehört dazu, um sich richtig einzuleben. Im Petite France befindet sich auch das musée d’art moderne et contemporain. Überhaupt sollte man viele Museumsbesuche vornehmen, da der Eintritt mit der carte culture, die jeder Student an seiner Uni bekommt, kostenlos ist und Strasbourg viele hübsche und interessante Museen zu bieten hat. Mit der carte culture bekommt man außerdem in allen Kinos, Theatern und zu bestimmten Veranstaltungen Ermäßigung – es gibt mit der Karte ein Buch, in welchem alle diese Ereignisse, Veranstaltungen und Einrichtungen aufgelistet sind.
Am allerbesten zum Sightseeing macht sich eine Fahrt mit dem Bateau Mouche, das sind die flachen Schiffe mit Glasdach, die je nach Witterung offen oder geschlossen den Illkanal entlang fahren, von dem die Innenstadt umflossen wird. Zu den Sehenswürdigkeiten werden jeweils lustige und bizarre Insidergeschichten erzählt.
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Picknick in der Orangerie |
Bei schönem Wetter kann man seine Freizeit super im Orangerie Park, der gleich neben dem Europarat und –Parlament gelegen ist, bei Sport, Picknick, Ausstellungsbesuchen oder ähnlichem verbringen.
Ein weiteres Anlaufziel bei schönem Wetter ist der Baggersee (der heißt auf Französisch auch so) in Illkirch, der liegt direkt auf dem Weg zum IUT und ich habe dort viele schöne Tage verbracht.
Gegen Abend sollte man hin und wieder im „Le Brasseur“ vorbeischauen, das ist die Kult Kneipe Strasbourgs, wo man selbstgebrautes Bier zur Happy Hour –jeden Tag von 17 – 19 Uhr- zum halben Preis trinken kann und sich den Bauch mit dem Elsass typischen Flamküchle (auch zum Happy Hour Preis) voll schlagen kann. Verglichen mit anderen Kneipen kommt man hier (zumindest zur Happy Hour) relativ günstig weg.
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Les ERASMUS |
Jeden Montag findet in der Java-Bar eine „soirée d’étudiantes ERASMUS“ statt, dort sind zwar wenig Franzosen, ansonsten jedoch Jugendliche aller Herren Länder vereinigt – ist zwar stressig da meist total überfüllt und Alkohol en masse, aber der absolute Kult, den man auf keinen Fall verpassen sollte. Ansonsten sind noch das „Festival“ (auch oft Studentenfeten), „Café des Anges“ oder die „Bar Elastique“ (Reggae Abende) u. v. a. m. zu empfehlen. Am besten selbst rausfinden ;-)
Meine letzte Empfehlung ist noch das „Abbatoir Café“, dort ist es nicht –wie der Name vermuten lässt- blutrünstig, sondern urgemütlich. Man sitzt auf dicken Kissen am Boden um kleine Tische herum und kann sich Riesen Wasserpfeifen mit Tabak in verschiedenen Geschmacksrichtungen bestellen. Oft gibt es auch Life Musik.
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Im Abbatoir Café |
Last, not least: das Sportangebot der Strasbourger Unis ist riesengroß. Das Uni Sportzentrum SIUAPS befindet sich auch auf dem Esplanade Campus. Man kann sich dort für 15 € einen Sportausweis holen und damit an fast allen Kursen kostenlos teilnehmen. Für Ausflüge in die Vogesen (langlaufen, klettern etc.), Reitausflüge, Gleitschirmfliegen od. ähnl. Muss man natürlich extra bezahlen.
Am Schluss werde ich noch mal alle möglichen Internetadressen, die der Information über einen ERASMUS Aufenthalt in Strasbourg dienlich sind, auflisten. Meine Erlebnisse und Tipps könnte ich hier noch seitenlang weiter schreiben, doch das soll erstmal genügen, schließlich macht ja jeder seine eigenen Erfahrungen und vielleicht sind deine ja auch ganz anders als meine.
Sicherlich wird man immer wieder denken, man ist nicht genügend vorbereitet und die wichtigsten Infos und Hinweise bekommt man nicht von seinem Ansprechpartner, sondern irgendwie durch den Campus Buschfunk und man fragt sich wozu es überhaupt Ansprechpartner und Referenten gibt.
Ich wünsche dir – falls geplant - einen ereignisreichen, aufregenden und unvergesslichen Studienaufenthalt in Strasbourg. Lass dich nicht nervös machen, sondern freu dich auf die Herausforderung – ich jedenfalls beneide dich jetzt schon, weil du das Abenteuer noch vor dir hast. :-))
Linkliste
www.strasbourg.fr
www.univ-strasbourg.fr
www.region-alsace.com
Die 3 Universitäten
www.urs.u-strasbg.fr
www-umb.u-strasbg.fr
www-ulp.u-strasbg.fr
CNOUS/CROUS (= Studentenwerk – „Centre National/Regional des Oevres Universitaires et Scolaires“)
www.cnous.fr
www.crous-strasbourg.de
Sprachen
Sport
Sonstiges
www.cija.org
www.egide.fr
www.carte-culture.org
www.caf.fr
Julia Stander
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