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Franzosen schlafen am meisten, Norweger haben am meisten Freizeit, Türken sind am geselligsten, Spanier am sportlichsten – das sind einige der Befunde der aktuellen OECD-Studie „Society at a Glance“, die aktuellen gesellschaftlichen Trends in den wirtschaftlich hoch entwickelten Ländern nachspürt.
Die Studie präsentiert Daten aus den Mitgliedsstaaten der OECD und untersucht eine Fülle von gesellschaftlichen Merkmalen zu Themenbereichen wie Demographie, Familienstruktur, Bildung, Arbeit, Armut, Gesundheit, Lebens- und Arbeitszufriedenheit, Kriminalität.
Ein eigenes Kapitel ist dem Thema Freizeit und Freizeitnutzung gewidmet. Es vermittelt einige überraschende Einsichten. Die Daten stammen überwiegend aus dem Jahr 2006 und beziehen sich auf die erwerbstätige Bevölkerung.
Am meisten Freizeit - verstanden als Zeit, die nicht mit Erwerbsarbeit zugebracht wird – haben demnach die Norweger. Sie arbeiten im Durchschnitt 35,7 Stunden pro Woche, haben insgesamt 6,5 Wochen Urlaub oder arbeitsfreie Feiertage, fehlen 3,3 Wochen aus Krankheitsgründen oder weil sie in Elternzeit sind und erscheinen 6,1 Wochen aus anderen Gründen nicht am Arbeitsplatz. So kommen sie im Jahr auf 1290 Arbeitsstunden und 7470 Freizeitstunden.
Nur wenig schlechter gestellt sind Niederländer, Dänen und Schweden.
Auch die Deutschen schneiden in Punkto Freizeit gut ab. Sie arbeiten 36,1 Stunden pro Woche, haben sogar 7,5 Wochen Urlaub oder arbeitsfreie Feiertage, fehlen aber nur 1,1 Wochen aus Krankheitsgründen oder weil sie in Elternzeit sind und erscheinen 2,3 Wochen aus anderen Gründen nicht am Arbeitsplatz. Das macht im Jahr 1478 Arbeitsstunden und 7282 Freizeitstunden.
In den USA wird dagegen deutlich länger gearbeitet als in allen Ländern Europas. US-Amerikaner arbeiten 41,3 Stunden pro Woche, haben 3,8 Wochen Urlaub oder arbeitsfreie Feiertage, fehlen nur 0,7 Wochen aus Krankheits- oder Kinderbetreuungsgründen und erscheinen 1,6 Wochen aus anderen Gründen nicht am Arbeitsplatz. Das beläuft sich im Jahr auf 1896 Arbeitsstunden und 6864 Freizeitstunden.
Wie wird nun diese Freizeit genutzt?
Vor allem für den Schlaf. Franzosen schlafen ca. 530 Minuten pro Tag und führen damit die Liste der Langschläfer an, gefolgt von US-Amerikanern und Spaniern. Am wenigsten schlafen Norweger, Japaner und Koreaner (ca. 470 Minuten).
Die Mahlzeiten stellen einen weiteren wichtigen Zeitblock dar. Auch hier sind die Franzosen führend: Beinahe 140 Minuten wenden sie aufs Essen und Trinken auf; Neuseeländer und Japaner sind ihnen hier dicht auf den Fersen. Am schnellsten essen US-Amerikaner, Kanadier und Mexikaner (knapp 70 Minuten).
Die eifrigsten Fernsehgucker oder Radiohörer sind Mexikaner, Japaner und US-Amerikaner. Am wenigsten Zeit mit diesen elektronischen Medien verbringen Neuseeländer, Italiener und Deutsche.
Viel Zeit mit Freunden verbringen Türken, Neuseeländer und Kanadier. Besonders wenig Zeit für Freunde haben Australier, Deutsche, Japaner und Spanier.
Sport spielt als Freizeitbeschäftigung die größte Rolle in Spanien. Fast gar keine Rolle spielt er in der Türkei, und auch die Briten sind Sportmuffel.
Interessant sind Unterschiede zwischen den Geschlechtern, vor allem dann, wenn man unbezahlte Arbeit nicht als Freizeit wertet. Grundsätzlich haben Männer dann deutlich mehr Freizeit als Frauen. Besonders auffällig ist das in Italien. Hier haben Männer pro Tag beinahe 80 Minuten mehr Freizeit als Frauen. Anscheinend bleibt die Hausarbeit in Italien fast ausschließlich an den Frauen hängen. Auch in Polen, Mexiko und Spanien finden sich vergleichbar klare Befunde. Aber in anderen Ländern ist die Situation der Tendenz nach ähnlich. Am ausgeglichensten verteilt ist die Freizeit in Norwegen: Hier beträgt der Freizeitvorsprung der Männer nur knapp 5 Minuten.
Viele weitere Befunde der Studie auf den Seiten der OECD
http://www.oecd.org/document/24/
0,3343,en_2649_34637_2671576_1_1_1_1,00.html