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Burkhard Sonntag: Gesund bleiben in Großbritannien. Eine Gebrauchsanweisung für das britische Gesundheitssystem.
Books on Demand, Norderstedt 2008.
63 Seiten.
ISBN: 978-3-8370-5579-5
7,- €.
Wer in Großbritannien leben und arbeiten möchte, kommt früher oder später auch mit dem britischen Gesundheitssystem in Kontakt. Dabei kann der steuerfinanzierte National Health Service auf Deutsche und andere Kontinentaleuropäer leicht etwas exotisch wirken – es gibt keine Krankenkassenbeiträge, (fast) keine niedergelassenen Fachärzte, dafür aber große Gemeinschaftspraxen, riesige Krankenhäuser sowie lange Wartezeiten vor Routineuntersuchungen und –operationen.
Das alles ist gewöhnungsbedürftig genug, um einen medizinischen Reiseführer zu rechtfertigen. Und den gibt es jetzt: „Gesund bleiben in Großbritannien. Eine Gebrauchsanweisung für das britische Gesundheitssystem“. Verfasst hat ihn Burkhard Sonntag, der selbst sechs Jahre als Arzt in Großbritannien gearbeitet hat.
Der schmale Band gliedert sich in zwei Hauptteile. Im ersten Teil erhält der Leser einen Überblick über Grundprinzipien, Aufbau und Funktionsweise des britischen Gesundheitssystems; der zweite Teil ist praktischen Fragen aus dem Patientenalltag gewidmet.
Der National Health Service ist zentralverwaltet und steuerfinanziert; es gibt weder Krankenkassen noch Krankenkassenbeiträge. Jeder Einwohner Großbritanniens hat Anspruch auf entgeltfreie medizinische Versorgung. Im Zentrum des Systems steht der Hausarzt (General Practitioner), der für den Patienten immer erste Anlaufstelle ist. Einen Facharzt kann man nur mit der Überweisung des Hausarztes in Anspruch nehmen. Niedergelassene Fachärzte gibt es fast gar nicht; die Spezialisten sind nur in den Krankenhäusern zu finden. Krankenhäuser sind daher nicht nur auf stationäre Behandlung spezialisiert; die ambulante fachärztliche Behandlung spielt eine ebenso große Rolle. Hausärzte arbeiten oft in großen Gemeinschaftspraxen zusammen. Anders als in Deutschland gehören in solchen Praxen oft auch Krankenschwestern, Hebammen oder Physiotherapeuten zum medizinischen Team.
Dies und vieles mehr wird in kurzen Kapiteln knapp und anschaulich erklärt. Fachbegriffe aus dem Gesundheitswesen werden leicht verständlich erläutert; zur Not kann der Leser auch in einem angehängten Glossar des englischen Gesundheitskauderwelschs nachschlagen. Das alles liest sich leicht und flüssig; Vorwissen ist nicht vonnöten. Der Rezensent wünscht sich, dass ihm auch einmal jemand das deutsche Gesundheitssystem so verständlich erklären möge…
Der Autor ist Arzt – das Buch behandelt daher auch Fragen, die vor allem Ärzte interessieren. Mediziner, die sich mit dem Gedanken tragen, selbst auf der Insel zu arbeiten, finden hier zum Beispiel Basisinformationen zum Arbeitsalltag eines General Practitioners, zum Status der Teilhaber und Mitarbeiter in einer Praxis oder zum Abrechnungssystem.
Vorwiegend an Patienten richtet sich der zweite Teil des Buchs, in dem der Leser detaillierte Antworten auf Fragen aus dem Alltag findet: „Wie findet man einen Hausarzt?“ „Wie bekommt man einen Termin?“ „Welcher Arzt ist zuständig?“ „Wer behandelt Kinder?“ „Wie funktioniert die Behandlung im Krankenhaus?“ „Was passiert, wenn ich die 999 anrufe (die Notrufnummer)?“ „Wie benachrichtige ich den hausärztlichen Notdienst?“ „Wer darf Leistungen in Anspruch nehmen?“ „Sollte ich mich privat versichern?“ Insgesamt 25 höchst praktische Fragen werden ausführlich, aber ohne Umschweife behandelt. Da wird der typische Ablauf eines Gesprächs mit der Notrufzentrale beschrieben, das Prozedere bei Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen vorgestellt, und auch der Hinweis auf die Parkgebühren auf Krankenhausparkplätzen fehlt nicht.
Insgesamt eine Menge Information auf engstem Raum – das Büchlein ist nur 63 Seiten dick und lässt sich bequem an einem Nachmittag durchlesen. Wer in Großbritannien leben will und / oder als Arzt dort arbeiten möchte, ist mit Sonntags Buch gut bedient. Seinen Preis ist es sicher wert.
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